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Langjährige Vertragspartner im Arbeits- und Dienstleistungsumfeld: Rechte bei veränderter Auftragsvergabe und rechtliche Handlungsmöglichkeiten

In der unternehmerischen Praxis entstehen über Jahre hinweg gewachsene Geschäftsbeziehungen, die auf Vertrauen, Kontinuität und wirtschaftlicher Verlässlichkeit beruhen. Besonders im arbeitsrechtlichen Umfeld – etwa bei freien Mitarbeitenden, Dienstleistern, Projektpartnern oder ausgelagerten Personalressourcen – kann es jedoch zu Konflikten kommen, wenn vereinbarte Leistungen oder zugesagte Auftragsvergaben plötzlich anderweitig vergeben werden.

Für den langjährigen Vertragspartner stellt sich dann die zentrale Frage: Welche Rechte bestehen und wie können diese effektiv durchgesetzt werden?


Rechtliche Ausgangslage: Vertrag, Vertrauenstatbestand und wirtschaftliche Abhängigkeit

Ob Ansprüche bestehen, hängt maßgeblich von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Relevante Anspruchsgrundlagen können sich ergeben aus:

  • Vertraglichen Vereinbarungen (Rahmenverträge, Exklusivitätsabreden, Abrufkontingente)
  • Nebenpflichten aus Dauerschuldverhältnissen (§ 241 BGB)
  • Vertrauensschutz und betriebliche Übung bei langjähriger Zusammenarbeit
  • Schadensersatzansprüche wegen Pflichtverletzung (§ 280 BGB)
  • Wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten, sofern Verdrängung oder illoyales Verhalten vorliegt

Gerade bei langjährigen Geschäftsbeziehungen kann ein sogenannter Vertrauenstatbestand entstehen, der rechtlich relevant wird, wenn ein Partner ohne sachlichen Grund von bisherigen Vergabestrukturen abweicht.


Handlungsmöglichkeiten des benachteiligten Vertragspartners

Ein betroffener Partner hat mehrere juristische und strategische Optionen:

  1. Vertragliche Anspruchsprüfung
    Zunächst ist zu klären, ob konkrete Abnahme- oder Vergabepflichten vereinbart wurden.
  2. Außergerichtliche Geltendmachung
    Häufig empfiehlt sich zunächst eine anwaltliche Aufforderung zur Vertragserfüllung oder Nachverhandlung.
  3. Schadensersatzforderungen
    Bei nachweisbarem wirtschaftlichem Schaden können Ersatzansprüche entstehen, etwa für entgangenen Gewinn.
  4. Einstweilige Verfügung
    In dringenden Fällen kann versucht werden, eine kurzfristige gerichtliche Sicherung zu erreichen.
  5. Vertragsanpassung oder Vergleich
    Oft lassen sich wirtschaftlich sinnvolle Lösungen außergerichtlich erzielen.

Erforderliche Beweise und Dokumentation

Zur erfolgreichen Durchsetzung von Ansprüchen sind belastbare Nachweise entscheidend. Dazu zählen insbesondere:

  • Schriftliche Verträge und Ergänzungsvereinbarungen
  • E-Mail-Korrespondenz über Auftragszusagen
  • Protokolle von Verhandlungen oder Meetings
  • Nachweise bisheriger Auftragsvolumina
  • Kalkulationen zum entstandenen Schaden
  • Zeugenaussagen beteiligter Personen

Je klarer die Dokumentation, desto größer sind die Erfolgsaussichten.


Drei Praxisbeispiele aus dem arbeitsrechtlichen Alltag

Beispiel 1: Freier Projektleiter wird plötzlich ersetzt

Ein Unternehmen arbeitet über Jahre mit einem externen Projektleiter zusammen. Trotz mündlicher Zusage für Folgeprojekte werden neue Aufträge ohne Begründung an einen Dritten vergeben.
➡️ Lösung: Prüfung, ob eine faktische Dauerschuldbeziehung entstanden ist und Schadensersatzansprüche bestehen.

Beispiel 2: Personaldienstleister verliert Stammaufträge

Ein externer Dienstleister stellt regelmäßig Fachkräfte bereit. Nach interner Umstrukturierung werden Aufträge reduziert, obwohl ein Rahmenvertrag Mindestkontingente vorsieht.
➡️ Lösung: Durchsetzung der vertraglichen Abnahmepflicht oder finanzieller Ausgleich.

Beispiel 3: Langjähriger Freelancer wird durch interne Kräfte ersetzt

Ein freier Spezialist arbeitet jahrelang exklusiv für ein Unternehmen. Plötzlich übernimmt ein neu eingestellter Arbeitnehmer seine Aufgaben.
➡️ Lösung: Prüfung von Kündigungsfristen, Investitionsschutz und Schadensersatz.


Wie können zukünftige Geschäfte besser abgesichert werden?

Zur Risikominimierung empfehlen sich:

  • Klare Mindestabnahmemengen oder Projektkontingente
  • Exklusivitätsvereinbarungen mit Laufzeitregelungen
  • Vertragsstrafen bei Pflichtverletzungen
  • Kündigungsfristen mit Ausgleichsregelungen
  • Dokumentation von Investitionen des Partners

Eine präzise Vertragsgestaltung ist der wirksamste Schutz vor späteren Konflikten.


Die Perspektive des Auftraggebers: Legitimer Anpassungsbedarf und Risiken

Auch Auftraggeber haben berechtigte Interessen, etwa bei:

  • Wirtschaftlichen Veränderungen
  • Qualitätsproblemen
  • Strategischen Neuausrichtungen
  • Kostendruck
  • Personalentscheidungen

Allerdings bestehen hierbei erhebliche rechtliche Fallstricke.

Fünf wichtige Punkte für Auftraggeber bei geänderter Auftragsvergabe

  1. Vertragsbindung und Mindestabnahmepflichten beachten
  2. Kündigungsfristen korrekt einhalten
  3. Dokumentierte Leistungsgründe für Änderungen vorweisen können
  4. Gleichbehandlungsgrundsatz berücksichtigen
  5. Vertrauensschutz bei langjähriger Zusammenarbeit prüfen

Fehler in diesen Bereichen können erhebliche Schadensersatzforderungen auslösen.


Fazit: Frühzeitige rechtliche Beratung schafft Sicherheit

Konflikte bei Auftragsvergaben entstehen häufig nicht aus bösem Willen, sondern aus unklaren Vertragsstrukturen oder Kommunikationsdefiziten. Umso wichtiger ist eine frühzeitige juristische Bewertung der Situation sowie eine strategisch kluge Vorgehensweise.

Die Kanzlei Lörrach berät Unternehmen, Dienstleister und Führungskräfte umfassend bei:

  • der Durchsetzung vertraglicher Ansprüche
  • Schadensersatzforderungen und wirtschaftlichen Ausgleichslösungen
  • Vertragsgestaltung und Risikominimierung
  • Konfliktlösung und gerichtlicher Vertretung

📞 Kontaktieren Sie uns gerne persönlich unter:

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